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Nachwachsende Rohstoffe im Schulgarten (8.8.08)
Umweltministerium Baden-Württemberg fördert Schulgartenprojekt in Rheinstetten

Einen Schulgarten der etwas anderen Art präsentierten vor einigen Tagen Schüler der Klasse 7a der Realschule Rheinstetten. Statt Tomaten oder Rosen wachsen in den von ihnen angelegten Beeten Pflanzen wie Öllein, Färberwaid, Zichorie, Chinaschilf und Krapp. Aus den mehr als 30 angebauten Pflanzenarten können industriell verwertbare Öle, Stärke, Zucker, Farben, Fasern oder Energie gewonnen werden können. Der Garten ist Teil der „Bildungsinitiative für Nachwachsende Rohstoffe der Stadt Rheinstetten“. Dieses städtische Modellprojekt im Rahmen der Lokalen Agenda 21 hat sich zum Ziel gesetzt, über nachwachsende Rohstoffe und deren Verwendung zu informieren. Nachwachsende Rohstoffe können einen entscheidenden Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten – vorausgesetzt ihr Anbau erfolgt ökologisch und sozial verträglich.

Wir haben das soziale Engagement, das seit 2004 im Bildungsplan unserer Schule steht, mit der Ökologie verbunden“, erläuterte Rektorin Christa Becker-Binder über den in Kooperation mit der Stadt Rheinstetten entstandenen Schulgarten. „Das ist learning by doing“, lobte OB Sebastian Schrempp, der sich von dem Projekt sehr angetan zeigte. Wie der städtische Umweltkoordinator Martin Reuter ausführte, wurde die Anlage des neuen Schulgartens als beispielhafter Beitrag zur Lokalen Agenda 21 vom baden-württembergischen Umweltministerium finanziell gefördert. Er zeigte sich erfreut, dass die schon bislang sehr gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und Schule im Umweltschutz (2007 gab es dafür den Kreisumweltschutzpreis) durch das neue Projekt weiter vertieft wird.

„Die Pflanzen sind schneller gewachsen als wir gedacht haben“, erzählten zwei dreizehnjährige Mädchen. „Ich habe gar nicht gewusst, dass man mit Pflanzen auch so toll färben kann“, fügte einer ihrer Klassenkameraden begeistert hinzu. Vor der Projektpräsentation mit OB Schrempp hatten die Siebtklässler Seidentücher mit teils selbst angebauten Pflanzen farbenprächtig gefärbt. Neben den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der nachwachsenden Rohstoffe ging es in den Unterrichtseinheiten des von der Landschaftsplanerin Luise Lüttmann vom Büro LebensRäume konzipierten und betreuten Projekts auch um die Konkurrenz, die nachwachsende Rohstoffe in Entwicklungsländern gegenüber den Nahrungspflanzen darstellen können. Um den Schulen bei eigenen Unterrichtseinheiten zum Thema eine Hilfestellung geben zu können, wird derzeit an der Erstellung eines Materialienkoffers gearbeitet.

Klassenlehrer Giuseppe Pintaudi hob das große Engagement der 29 Schüler der 7. Klasse und die soziale Absprache in der Gruppenarbeit hervor. Einige kamen sogar nachmittags, um Unkraut zu jäten. „Es macht Spaß“, meinten Jan Koffler und Aaron Nees, die sich auch in den Sommerferien, um das Gießen der Pflanzen kümmern wollen. Freude herrschte bei allen Beteiligten, dass sich die meisten Pflanzen trotz widriger Startbedingungen recht gut entwickelt haben. Aus Termingründen mussten Bodenbearbeitung und Einsaat im Frühjahr bei äußerst nassen Bodenverhältnissen durchgeführt werden. Aber die Schülerinnen und Schüler hatten sich dadurch nicht vom Arbeiten abhalten lassen.

Geplant ist, dass der Schulgarten in verschiedenen Fächern für den Unterricht genutzt werden kann. Auch anderen Schulen und der Öffentlichkeit steht der Garten offen. Umweltkoordinator Reuter präsentierte dazu ein Faltblatt, in dem der Garten erläutert wird. Das Infoblatt liegt im Rathaus zur Mitnahme aus.

Auch wenn die Bildungsinitiative zunächst als einjähriges Projekt angelegt war, soll aufgrund der positiven Erfahrungen der Garten dauerhaft fortgeführt werden. Für das nächste Jahr ist dann auch eine Umzäunung geplant. Neu überarbeitet wird im Rahmen der „Bildungsinitiative nachwachsende Rohstoffe“ in diesem Jahr auch der schon lange bestehende Schulgarten des Walahfrid-Strabo-Gymnasiums. In diesem Garten liegt der Schwerpunkt auf dem Anbau von Heilpflanzen, Grundlage dieser Gartenanlage ist der historische Hortulus des Abtes Walahfrid Strabo.

Beide Gärten sind Bestandteile eines von Luise Lüttmann konzipierten Lehrpfades zu Nachwachsenden Rohstoffen. Im Rahmen eines Faltblattes werden der Öffentlichkeit Stätten in und um Rheinstetten vorgestellt, an denen Themenstellungen nachwachsender Rohstoffe erlebbar sind. Die Herausgabe dieses „Wegweisers“ soll im Laufe des Sommers erfolgen.